Grundgedanken
#1
Theorie
Die Schule gründet sich auf einer grundlegenden Wahrheit: Das Überleben jeder Spezies hängt davon ab, dass ihre Jugend entschlossen danach strebt, die notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln, um als erfolgreiche Erwachsene in der Welt zu bestehen und die Spezies zu erhalten bzw. weiterzuentwickeln. Sie erlernen Fähigkeiten, die wichtig für die Kultur sind, und entwickeln mitunter neue Erkenntnisse oder Erfindungen. Die Freie Demokratische Schule Friedland bietet diesen jungen Menschen einen Raum, in dem sie dieses Streben verfolgen und ihre individuellen Stärken entdecken können.
Streben & Stärken
#2
Schule heute
Immer mehr Kinder in Deutschland sind unzufrieden mit dem regulären Schulsystem. Die Bildungspolitik der letzten fünfzehn Jahre hat dazu geführt, dass die Klassen immer größer werden und die Lerninhalte weit von den Lebensrealitäten der Kinder entfernt sind. Gleichzeitig nehmen die Unterrichtsstunden zu, während der Lehrplan für künstlerische und praktische Fächer zugunsten strenger akademischer Fächer und belastender Abschlussprüfungen, bei denen die Schüler kaum Mitspracherecht haben, gekürzt wird.
Viele Kinder sind heute in der Schule tief unglücklich, da sie das Gefühl haben, sich nur anpassen und folgen zu müssen, um nicht bestraft zu werden. Die psychische Gesundheit der Kinder verschlechtert sich zusehends, der Bedarf an Unterstützungsangeboten erreicht ein kritisches Maß, und die Regierung zeigt wenig Bereitschaft, eine der Hauptursachen dieser Unzufriedenheit – die Schulen – anzugehen.
Bildung wird heute weltweit immer mehr durch Tests, Prüfungen und Qualifikationen geprägt. Es scheint ein zeitgenössischer Trend zu sein, dass Bewertungen und Qualifikationen die Bildung definieren, wie beispielsweise die PISA-Tests zeigen.
Würde eine Gesellschaft eine andere Gruppe von Menschen so behandeln wie ihre Kinder, wäre das ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Für die meisten Kinder weltweit ist dies jedoch die gängige Erwartung, die von Eltern, Schulen und der Gesellschaft an sie herangetragen wird.
In diesem restriktiven Umfeld fühlen sich viele Pädagogen und Familien unwohl und suchen nach Alternativen zum traditionellen Schulsystem. Eine solche Antwort ist die demokratische oder „freie“ Schulbildung. Weltweit gibt es zahlreiche Modelle demokratischer Schulen, von Israel über Japan bis hin zu Neuseeland, Thailand und den Vereinigten Staaten. Die älteste und bekannteste dieser Schulen ist Summerhill an der Ostküste Englands.
Seit 2025 bietet die Freie Demokratische Schule Friedland Kindern und ihren Familien aus der Region eine fortschrittliche, alternative Möglichkeit, die es den Kindern erlaubt, sie selbst zu sein und in ihrem eigenen Tempo gesund und glücklich zu wachsen. Im Jahr 2024 begab sich eine Gruppe von Eltern und Lehrkräften auf den Weg, eine Schule zu gründen, die auf einer klaren Vision individueller Freiheit basiert. Denn Kinder brauchen Freiheit, um sich zu entfalten, sowie eine Gemeinschaft, die von allen Mitgliedern gleichberechtigt regiert wird. Das Ergebnis ist eine einzigartige Kombination aus Freiheit und Verantwortung, die seither das Markenzeichen der Freien Demokratischen Schule Friedland bildet.
gesund & glücklich wachsen
#3
Das Schulmodell der FDS Friedland
Wir respektieren die Fähigkeit jedes Kindes, unabhängig von seinem Alter, seine täglichen Aktivitäten zu planen und durchzuführen. Wir ermutigen die Kinder nicht, bestimmten Wegen zu folgen oder Methoden anzuwenden, und bewerten auch nicht ihre Leistungen. Auf Wunsch können die Kinder Prüfungen ablegen, um den mittleren Schulabschluss zu erlangen.
Du hast die Freiheit, dich zu bewegen und zu tun, was du willst, sofern du nicht die Rechte anderer verletzt. Wir haben klare Regeln, die die individuelle Freiheit schützen, und die von allen Mitgliedern der Gemeinschaft in der Schulversammlung festgelegt werden. Unsere soziale Ordnung wird durch ein Justizsystem, dem Kinder der FDS Friedland angehören, geschützt.
frei & geschützt
#4
Die Bedeutung des Spiels
An der FDS Friedland gehört das Spiel den Kindern. Wir gestalten Lernsituationen nicht so, dass das Spiel „produktiv“ wird, und beobachten nicht, um zu bewerten, was die Kinder aus einem bestimmten Spiel lernen könnten. Die Kinder spielen einfach – und sie können dies, wenn sie möchten, den ganzen Tag tun. Spiele sind ein zentraler Bestandteil des Lebens an der FDS Friedland. Neben den üblichen Spielen gibt es viele neue Spiele, die so ausschließlich von Kindern der Schule entwickelt werden. Manche sind Gemeinschaftsspiele, die über mehrere Tage hinweg stattfinden können, und manche sind rein individuell oder werden in kleineren Gruppen gespielt!
Manchmal führt das Spiel zu neuen Interessen. Vielleicht beginnen die Kinder plötzlich, einen Bogen zu bauen und entscheiden sich, mehr daraus zu machen. Sie könnten auf dem alten Klavier spielen und entdecken, dass sie Musik machen möchten. Sie helfen im Werkunterricht und stellen fest, dass sie mehr Mathe lernen wollen, oder sie haben ein großes Interesse an Naturwissenschaften und vertiefen sich in ein Biologiebuch. Es gibt unzählige Bereiche, die ihnen Inspiration und Freude am Lernen bieten.
Für alle Eltern, Pädagogen und Kritiker, die denken, dass Kinder durch Spielen nichts lernen, sei der folgende Blogartikel “Spielen” von Daniel Greenberg ans Herz gelegt: https://sudburyvalley.org/article/play-0
zentral & innovativ
#5
Lernen
Die FDS Friedland verpflichtet die Schulgemeinschaft nicht, auf eine bestimmte Art zu lernen. So hat jedes Kind die Freiheit, z.B. für sich interessante Kurse auszuwählen. Die Entscheidung, an welchen Kursen es teilnimmt, liegt ganz in seinen Händen. Der Kursplan richtet sich nach den Wünschen der Kinder und den angebotenen Fächern, die die Mentoren inne haben. Jedes Schulhalbjahr gibt es einen neuen Kursplan. Die Kinder kennen die angebotenen Kurse und können dann selbst entscheiden, wie sie ihre Zeit nutzen und strukturieren möchten.
Zusätzlich zu den Kursen existieren offene Bereiche, in denen Kinder, die nicht am Kurs teilnehmen, entspannen, Kontakte knüpfen, handwerkeln, an Schulausschüssen teilnehmen, Spiele spielen, formal oder informell lernen, kreativ sein oder einfach nur unter einem Baum liegen und lesen können.
Erwachsene an der FDS Friedland sind nicht dafür zuständig, Dinge für die Kinder zu entwickeln oder zu planen. Die Kinder werden ermutigt, selbst aktiv zu werden und eigene Ideen zu verwirklichen. Sport, Spiele und andere Freizeitaktivitäten werden je nach Bedarf gemeinsam von Kindern und Erwachsenen gestaltet.
Wenn die Kinder älter werden, werden sie von den Mentoren bei der Entscheidung unterstützt, was sie nach der Zeit an der FDS Friedland machen möchten und welche Schritte sie unternehmen müssen, um diese Ziele zu erreichen – aber welche Ziele das sind, muss jeder Einzelne für sich selbst entscheiden.
aktiv & selbstbestimmt
#6
Freiheit statt Zügellosigkeit
Das Ziel der FDS Friedland ist es, Kindern zu ermöglich, natürlich zu wachsen, und die Freiheit zu haben, in ihrem eigenen Tempo zu spielen und sich zu entwickeln, um ihren eigenen Weg zu gehen. Gleichzeitig übernehmen sie die Verantwortung für ihr eigenes Handeln und für die Gemeinschaft um sich herum.
„Es muss immer wieder betont werden, dass Freiheit nicht bedeutet, das Kind zu verwöhnen. Wenn ein dreijähriges Baby über den Tisch laufen will, sagt man ihm einfach, dass es das nicht darf. Es muss gehorchen, das stimmt. Aber andererseits muss man [auch als Erwachsener] gehorchen, wenn es nötig ist. Ich verlasse das Zimmer kleiner Kinder, wenn sie mir sagen, dass ich rausgehen soll.“
A.S. Neill
Wir glauben an Freiheit, aber nicht an Zügellosigkeit. Das bedeutet, dass die Kinder tun können, was sie wollen – aber sie dürfen die Freiheit anderer nicht beeinträchtigen. Sie können zum Kurs gehen oder ihm fernbleiben, denn das ist ihre persönliche Entscheidung. Sie können jedoch nicht lauthals auf dem Flur singen, weil das andere Leute stören würde.
Innerhalb dieser Struktur haben wir wahrscheinlich mehr Regeln als jede andere Schule im Land – etwa 80 Regeln, die im Regelkatalog stehen! Viele Regeln sind saisonabhängig und werden geändert oder abgeschafft, wenn sie nicht benötigt werden. Andere gelten Jahr für Jahr.
Hier ist eine kleine Auswahl unserer Regeln:
- Dein Fahrrad muss über eine funktionierende Vorder- und Hinterradbremse verfügen.
- Die Türen werden nicht mit dem Fuß aufgestoßen, sondern mit den Händen geöffnet und geschlossen.
- Alle Schulräume werden nur in Hausschuhen betreten.
- In den Toiletten dürfen keine Fußballschuhe gewaschen werden.
- Jeder Raum ist aufgeräumt zu verlassen.
Regeln & Gemeinschaft
#7
Selbstverwaltung
Die FDS Friedland wird seit der Eröffnung der Schule durch die Gemeinschaft geleitet und verwaltet. Jedes Kind, das in die Schule kommt, wird Teil dieser Selbstverwaltung und lernt vom ersten Tag an dem Prozess der Demokratie und Entscheidungsfindung kennen. Denn unsere Schule ist demokratisch – jeder hat bei den Schulversammlungen die gleiche Stimme und das gleiche Recht, gehört zu werden. Die Gemeinschaft aus Erwachsenen und Kindern trifft ihre eigenen Regeln und Entscheidungen. Ein Mal wöchentlich trifft sich die Gemeinschaft der FDS Friedland, um Probleme zu besprechen, Beschwerden anzuhören und Sanktionen gegen diejenigen zu verhängen, die gegen die Schulregeln verstoßen haben. Durch diese Erfahrung lernen die Kinder, selbstbewusst, tolerant und rücksichtsvoll zu sein und sind es gewohnt, den Standpunkt der anderen Person anzuhören. Die Versammlung läuft nach einem vorgegebenen Muster ordentlich und gesittet ab.
Aufgrund ihrer Freiheiten in der FDS Friedland sind die meisten älteren Kinder bereits sozial verantwortlich und daran gewöhnt, eher an die Bedürfnisse der Gruppe als an ihre eigenen zu denken. Das heißt nicht, dass es nie zu Streitigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten kommt – denn die Bedürfnisse von kleinen Kindern, älteren Kindern und Erwachsenen können sehr unterschiedlich sein! Wichtig ist, dass wir alle diese Unterschiede erkennen und versuchen, eine für beide Seiten akzeptable Lösung für jedes Problem auszuhandeln, anstatt dass die Erwachsenen einfach Regeln aufstellen, die ihnen passen.
Für den reibungslosen Ablauf der Schulgemeinschaft sorgen eine Reihe gewählter Ausschüsse, die jeweils spezifische Verantwortung für bestimmte Bereiche der Schule tragen, wie z.B. der Posteingang, die Sauberkeit, die Raumgestaltung, die Kurspläne usw.
Veranstaltungen und Ausflüge an der FDS Friedland werden von jedem organisiert, der eine Idee und den Wunsch hat, sie umzusetzen. Ob es sich dabei um einen Kinobesuch oder um eine Pflanzaktion handelt – in der Gemeinschaft findet man immer Interessierte und Ermutigung.
Die Selbstverwaltung stellt sicher, dass an der FDS Friedland kein Gefühl der Gesetzlosigkeit oder Anarchie herrscht, sondern eine sichere, strukturierte Umgebung, die von Erwachsenen und Kindern gleichermaßen regiert wird.
demokratisch & verantwortungsvoll
#8
Emotionale Intelligenz
Die FDS Friedland verpflichtet die Schulgemeinschaft nicht, auf eine bestimmte Art zu lernen. So hat jedes Kind die Freiheit, z.B. für sich interessante Kurse auszuwählen. Die Entscheidung, an welchen Kursen es teilnimmt, liegt ganz in seinen Händen. Der Kursplan richtet sich nach den Wünschen der Kinder und den angebotenen Fächern, die die Mentoren inne haben. Jedes Schulhalbjahr gibt es einen neuen Kursplan. Die Kinder kennen die angebotenen Kurse und können dann selbst entscheiden, wie sie ihre Zeit nutzen und strukturieren möchten.
Zusätzlich zu den Kursen existieren offene Bereiche, in denen Kinder, die nicht am Kurs teilnehmen, entspannen, Kontakte knüpfen, handwerkeln, an Schulausschüssen teilnehmen, Spiele spielen, formal oder informell lernen, kreativ sein oder einfach nur unter einem Baum liegen und lesen können.
Erwachsene an der FDS Friedland sind nicht dafür zuständig, Dinge für die Kinder zu entwickeln oder zu planen. Die Kinder werden ermutigt, selbst aktiv zu werden und eigene Ideen zu verwirklichen. Sport, Spiele und andere Freizeitaktivitäten werden je nach Bedarf gemeinsam von Kindern und Erwachsenen gestaltet.
Wenn die Kinder älter werden, werden sie von den Mentoren bei der Entscheidung unterstützt, was sie nach der Zeit an der FDS Friedland machen möchten und welche Schritte sie unternehmen müssen, um diese Ziele zu erreichen – aber welche Ziele das sind, muss jeder Einzelne für sich selbst entscheiden.
miteinander & voneinander
#9
Warum wir auf das selbstbestimmte und demokratische Schulkonzept vertrauen
Freiheit bildet das Fundament der menschlichen Entwicklung. Sie ist der Ursprung intellektueller Errungenschaften, kreativer Freude und der emotionalen Begeisterung, die die Gemeinschaft durchdringt. Freiheit fördert die Vermischung verschiedener Altersgruppen, ermöglicht Beweglichkeit und führt zu tiefgreifenden Gesprächen, die entscheidend für das Streben nach höchster Intelligenz in jeder Aktivität sind. Die FDS Friedland sieht sich dabei als eine moderne Form der aristotelischen Akademie, in der Menschen ihren Geist durch Gespräche weiterentwickeln.
“Die Welt ist voller unglücklicher Anwälte, Ärzte und Manager, und viele Angestellte und Hausmeister führen ein glückliches, erfülltes und anständiges Leben. Eine erfolgreiche Karriere ist nicht gleichbedeutend mit einem erfolgreichen Leben. Man kann in jedem Beruf glücklich oder unglücklich sein, aber es ist unmöglich, längerfristig glücklich zu sein, wenn man das Gefühl hat, nicht sein eigenes Leben zu leben. Vielleicht klingen diese Sätze banal. Aber sie werden von zu vielen Menschen vergessen, wenn es um die Art und Weise des Umgangs mit ihren Kindern geht.”
aus: PETER GRAY: Befreit lernen.
Streben nach höchster Intelligenz